Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller

Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Die Gefühlslagen könnten nicht unterschiedlicher sein. Während die Aktienmärkte einen weiteren ausserordentlich starken Monat erleben, brechen die Bewertungen von Gold, Rohstoffen und Bitcoin regelrecht ein. Was steckt dahinter? Die Entwicklung reflektiert die allgemeine Erwartung eines wirtschaftlichen Aufschwungs mit unter Kontrolle gehaltener Inflation. Die wirtschaftlichen Indikatoren hingegen bestätigen das (noch) nicht, zeigen sich aber insgesamt leicht verbessert. 

 

 

Wirtschaftswachstum: Solides Wachstum und Hoffnung auf positive Effekte eines Friedensabkommens

Trotz des anhaltenden Iran-Konflikts zeigt sich die Weltkonjunktur bislang nur begrenzt beeinträchtigt. Eine leicht verbesserte Stimmung im Dienstleistungssektor ist zu beobachten. So hat auch die Konsumentenstimmung von der Hoffnung auf geopolitische Friedenssignale zuletzt leicht profitiert.

Ob sich diese vorsichtig positive Entwicklung als nachhaltig erweist, bleibt jedoch offen. Da es bislang zu keinem Friedensabkommen gekommen ist und die Strasse von Hormus weiterhin gesperrt bleibt, sind die aktuellen Hoffnungssignale mit Vorsicht zu geniessen.

Inflation: Klare Zunahme, aber zum Glück noch nicht in der Kernrate

Die Inflation befindet sich in den Industrienationen weiter im Aufwärtstrend, getrieben vor allem durch die konfliktbedingte Schliessung der Strasse von Hormus und die damit verbundenen höheren Energiepreise. Besonders deutlich zeigt sich dies in den USA, wo die Konsumentenpreise auf 4.2 Prozent anstiegen, sowie der Eurozone mit einem Anstieg auf 3.2 Prozent.

Der Inflationsdruck hat sich aber weiterhin nur begrenzt auf die Kerninflation übertragen. Da es aber immer noch nicht zu einer Lösung des Konflikts gekommen ist, ist es schwierig zu ermitteln welche Konsequenzen dieser für die globale Inflation haben wird.

Geldpolitik: Die Zentralbanken geben sich zuversichtlich

Die geldpolitischen Sitzungen der Zentralbanken im Juni waren geprägt durch den vom Iran-Konflikt ausgelösten Inflationsdruck sowie der allgemein angespannten geopolitischen Lage. So haben sowohl die EZB, als auch die BoJ ihren Leitzins angehoben, um der anziehenden Teuerung entgegenzuwirken.

Die US-Notenbank liess ihren Leitzins hingegen unverändert. Allerdings kündigte Kevin Warsh in seiner Rede einen strategischen Kurswechsel an: Im Zentrum der neuen Ausrichtung stehen das Ende der «Forward Guidance» sowie ein verstärkter Fokus auf das Inflationsziel von 2 Prozent. Auch die Schweizerische Nationalbank liess ihren Leitzins bei 0 Prozent unverändert. Die Inflation bewegt sich weiterhin in einem moderaten Rahmen, sodass aktuell kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht.

Der Iran-Konflikt hat die geldpolitischen Herausforderungen der Zentralbanken insgesamt weiter verschärft. Neben einer erneut anziehenden Inflation drohen zusätzliche Wirtschaftsabschwächungen, deren Ausmass sich derzeit nur schwer abschätzen lassen.

 

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