Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller
Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Die Entwicklungen an den Finanzmärkten standen im März im Zeichen des Irankriegs. Nach Ausbruch des Krieges verzeichneten insbesondere Aktienmärkte Bewertungsverluste von 5-8%, aber auch Obligationen und sogar Gold verloren an Wert. Seither erholten sich die Finanzmärkte, wenn ein Kriegsende angekündigt wurde, um dann wieder zu tauchen, wenn am Tag darauf das Gegenteil kommuniziert wurde. Das bringt viel Unsicherheit. Klar erscheint im Moment einzig, dass sich die Wachstumsaussichten immer mehr eintrüben, je länger der Konflikt andauert
Wirtschaftswachstum: Je länger der Iran-Krieg dauert, desto trüber die Wachstums-Aussichte
Der Krieg im Iran hinterlässt zunehmend Spuren im globalen Wirtschaftsausblick. Besonders betroffen davon ist das Vertrauen der Konsumenten, welches traditionellerweise sehr sensibel auf steigende Ölpreise reagiert. Für die USA ist diese Entwicklung besonders heikel, da sich das amerikanische Wirtschaftswachstum zuletzt spürbar abgeschwächt hat und zudem in hohem Mass auf dem privaten Konsum fusste. Auf Unternehmensseite sind die Auswirkungen des Konflikts in den Stimmungsindikatoren von Mitte März bis anhin nur in begrenztem Ausmass sichtbar. Sollte der Krieg jedoch weiter anhalten, dürfte auch dort die Zuversicht allmählich abnehmen.
Insgesamt sind dies keine ermutigenden Signale für das Weltwirtschaftswachstum. Die Kombination aus verunsicherten Konsumenten und einer möglicherweise noch nicht vollständig erfassten Belastung auf Unternehmensseite birgt das Risiko einer breiteren Wachstumsabkühlung, besonders falls der Konflikt im Iran länger anhalten sollte.
Inflation: Mehr Inflationsdruck durch steigende Ölpreise – auch mittelfristig?
Die Inflationsentwicklung in den Industrienationen bleibt uneinheitlich. In Japan sorgte zuletzt insbesondere ein schwächerer Anstieg der Reispreise für etwas Erleichterung. In der Eurozone, den USA und Grossbritannien hingegen liegt die Kerninflation mit 2.4 Prozent, 2.5 Prozent und 3.2 Prozent weiterhin über den Zielvorstellungen der Notenbanken.
Der Krieg im Iran dürfte diesen Prozess zusätzlich erschweren. Steigende Ölpreise werden voraussichtlich die Gesamtinflationsraten in den Industrienationen nach oben treiben, besonders ausgeprägt im stark gasexponierten Grossbritannien. Darüber hinaus bergen sogenannte Zweitrundeneffekte, etwa durch höhere Produktionskosten entlang der Lieferketten, das Risiko, mittelfristig auch die Kernrate zu belasten. Wann und in welchem Ausmass sich diese Effekte materialisieren, bleibt jedoch ungewiss und wird massgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängen.
Geldpolitik: Die erhofften Zinssenkungen in den USA werden wohl vorerst ausbleiben
Die geldpolitischen Sitzungen der grossen Zentralbanken standen im März im Zeichen hoher Unsicherheit. Der eskalierte Konflikt im Iran liess die Ölpreise zwar deutlich ansteigen, jedoch lässt sich das Ausmass und die Dauer des Preisdrucks und damit auch die Stärke der wirtschaftlichen Folgen weiterhin kaum abschätzen. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Europäische Zentralbank, die US-amerikanische Federal Reserve, die Bank of Japan sowie die Bank of England dafür, ihre jeweiligen Leitzinsen vorerst unverändert zu belassen.
Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) beliess ihren Leitzins unverändert. Anders als die übrigen grossen Zentralbanken, die primär mit zu hohen Inflationsraten zu kämpfen haben, herrscht in der Schweiz Preisstabilität. Jedoch bereitet die wirtschaftliche Entwicklung ebenso Kopfzerbrechen wie der anhaltende Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken. Die SNB unterstrich damit erneut bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, weshalb die Bilanzgrösse in den nächsten Monaten weiter ansteigen dürfte.
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