Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller
Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Ähnlich zum Juli haben sich die Bewertungen an den Finanzmärkten im letzten Monat eher seitlich bewegt. Das widerspiegelt die wirtschaftliche Patsituation. Zum einen zeigt sich die Weltkonjunktur erstaunlich resilient und lässt sich weder von gestiegenen Energiepreisen noch von den zunehmenden politischen Spannungen und dem Säbelrasseln anstecken. Zum anderen haben die Bewertungen über die letzten Monate vieles an erwarteter positiver Entwicklung vorweggenommen. Die wieder stark gestiegenen Gold- und Bitcoinpreise im letzten Monat lassen etwas Aufhorchen und die erhöhten Kapitalmarktzinsen auf den Anleihenmärkten geben Diskussionsstoff. Es scheint, als ob alle auf die nächsten, richtungsweisenden neuen Informationen warten.
Wirtschaftswachstum: Die Weltkonjunktur bleibt erstaunlich resilient
Die globale Konjunktur befindet sich weiterhin in einem belastenden Umfeld. Neben dem andauernden Iran-Krieg hatten auch klimatische Extremereignisse wie Hitzewellen und Waldbrände einen dämpfenden Effekt. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass sich das globale Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal abgeschwächt hat. Besonders spürbar war die Abschwächung zuletzt in den USA. Aber auch Japan, Grossbritannien und China verzeichneten im zweiten Quartal ein geringeres Wachstum als noch zu Beginn des Jahres.
Nichtsdestotrotz bleibt die Weltkonjunktur trotz der Abschwächung erstaunlich resilient. Insbesondere die Unternehmen blicken weltweit weiterhin positiv in die Zukunft. Zudem haben die europäischen Volkswirtschaften ihre Erholungstendenzen fortgesetzt. So hat zuletzt sowohl in der Eurozone als auch in der Schweiz das Wachstum wieder spürbar angezogen. Haupttreiber waren im Euroraum hohe KI-Investitionen und in der Schweiz eine starke Pharmaindustrie.
Inflation: Tiefere Kernraten trotz höheren Energiepreisen
Angesichts der unsicheren Lage im Iran-Krieg und der damit verbundenen Volatilität der Energiepreise bleiben die Gesamtinflationsraten weltweit starken Schwankungen ausgesetzt und insgesamt erhöht.
Die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, ist zuletzt jedoch in zahlreichen Ländern zurückgegangen. Besonders deutlich war dies in den USA, wo die Kernrate innerhalb von zwei Monaten von 2,9 auf 2,5 Prozent sank. Dies deutet darauf hin, dass die höheren Energiepreise bislang kaum auf die Breite der Wirtschaft übergreifen und der zugrunde liegende Preisdruck weiter nachlässt. Dazu dürfte auch die schwächere Wachstumsdynamik beitragen. Vor diesem Hintergrund dürften die Zentralbanken mit einer Straffung der Geldpolitik vorerst weiter zuwarten können.
Geldpolitik: Die Schuldenthematik gewinnt an Bedeutung
Die Lage für die globalen Zentralbanken bleibt schwierig. Neben dem üblichen Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung gewinnt aktuell auch die Schuldenthematik zunehmend an Bedeutung. Besonders deutlich wird dies in den USA, deren Staatsverschuldung mittlerweile bei über 40 Billionen US-Dollar liegt. Vor diesem Hintergrund befinden sich die Kapitalmarktzinsen auf einem hohen Niveau und der Handlungsspielraum der amerikanischen Zentralbank (Fed) ist entsprechend klein. Die Zinsen können wegen der Inflation nicht gesenkt werden, aber wegen der hohen Staatsverschuldung auch nicht weiter angehoben werden. Zudem kann die erhöhte Bilanz aktuell kaum zurückgeführt werden.
Ebenfalls in einer Sackgasse befindet sich die Schweizerische Nationalbank (SNB). Die Schweizer Wirtschaft hat zuletzt deutlich an Schwung gewonnen, während die Inflation niedrig ist. Doch selbst in diesem Umfeld wagt es die SNB nicht, die Bilanz abzubauen – wohl aus Respekt davor, dass ein Verkauf ausländischer Wertpapiere den Franken wieder aufwerten könnte.
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