Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller

Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Der Mai schliesst mit einem regelrechten Kursfeuerwerk bei Aktien. Die bekanntesten Indices erzielten hohe einstellige Renditesteigerungen. Die Bewertungseinbrüche von Anfang März sind längst wieder wettgemacht und neue Jahreshochs erreicht. Zudem steht mit dem für Juni geplanten Börsengang von SpaceX das grösste IPO der Geschichte vor der Tür. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben derweil angespannter. Zwar bleibt das Wachstum verhältnismässig robust, aber der allgemein gestiegene Inflationsdruck, stellt die Geldpolitik vor grössere Herausforderungen.

In diesem Monat diskutiert Patrick Müller gemeinsam mit Johannes von Mandach, Head of Economic Research bei Wellershoff & Partners Ltd., der Klaus Wellershoff in diesem Monat vertritt.

 

 

Wirtschaftswachstum: Solide, aber gespanntes Warten auf neue Daten

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hinterlässt zunehmend Spuren in der Weltkonjunktur. Insbesondere die steigenden Energiepreise belasten das Vertrauen und die Budgetmöglichkeiten der Haushalte. In diesem Zusammenhang ist global eine Abschwächung der Konsumtätigkeit erkennbar. 

Gleichwohl ist die Weltwirtschaft bislang von einem spürbaren Einbruch verschont geblieben. Die Unternehmen sind zwar vorsichtiger geworden, haben ihre Investitionstätigkeit aber noch nicht entscheidend eingeschränkt. Die kommenden Wochen und Monate dürften jedoch zur Belastungsprobe werden, zumal sich im Zusammenhang mit der geschlossenen Strasse von Hormus zunehmend auch Fragen zur Versorgungssicherheit stellen.

Inflation: Der Inflationsdruck nimmt wieder zu

Die anhaltende Schliessung der Strasse von Hormus treibt den globalen Inflationsdruck weiter nach oben. Besonders deutlich zeigt sich dies in den USA, wo die Gesamtinflationsrate auf 3,8 Prozent gestiegen ist, was fast dem Doppelten des Zielwerts der amerikanischen Notenbank (Fed) entspricht.

Wie stark sich der Inflationsdruck ausweitet und auf andere Güter und Dienstleistungen überträgt und damit auch in der Kernrate sichtbar wird, dürfte wesentlich von der Verfassung der Konjunktur abhängen: Je robuster die Wirtschaftstätigkeit, desto grösser die Gefahr eines breiteren Preisdrucks und desto stärker der Handlungsdruck auf die Zentralbanken.

Geldpolitik: Noch kein Handlungsdruck für Zentralbanken

Der Iran-Konflikt und die stark gestiegenen Energiepreise haben die geldpolitischen Herausforderungen der grossen Zentralbanken weiter verschärft. So haben die Aufwärtsrisiken bei der Inflation und die Abwärtsrisiken beim Wachstum gleichzeitig zugenommen. Solange jedoch unklar bleibt, welche Effekte überwiegen, dürfte der Handlungswille der Zentralbanken begrenzt bleiben.
In einer vergleichsweise komfortablen Lage befindet sich weiterhin die Schweiz. Trotz höherer Energiepreise bleibt die Inflation moderat, weshalb die Schweizerische Nationalbank vorerst keinen unmittelbaren Anpassungsbedarf bei ihrer Geldpolitik haben dürfte.

 

 

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