Kein Grund zur Panik?

Der Krieg im Iran hat zu erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt und sich in unterschiedlichem Masse auf die Kundenportfolios ausgewirkt. Die meisten Aktienmärkte verzeichneten im März Kursverluste von 5 bis 8% und haben die Performance seit Jahresbeginn zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels in den negativen Bereich gedrückt. Auch andere Anlageklassen sind betroffen, und da die wirtschaftlichen Folgen noch ungewiss sind, sind Befürchtungen hinsichtlich einer tieferen Rezession aufgekommen. Was sollten Kunden also tun? In den meisten Fällen lautet die Antwort unserer Meinung nach: nicht viel.

Die folgenden Ausführungen ordnen die jüngsten Marktbewegungen ein. Ergänzend zu unserem monatlichen Austausch zwischen Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller finden Sie weitere Einschätzungen im Quarterly Investment Committee.

Über mehr als 150 Jahre Finanzmarktgeschichte hinweg waren Börsenrückgänge häufig, teilweise ausgeprägt und oft verunsichernd. Die langfristige Evidenz führt jedoch zu einer klaren Schlussfolgerung: Märkte erholen sich, und disziplinierte Investoren werden in der Regel dafür belohnt, investiert zu bleiben, anstatt emotional zu reagieren. 

Ja, es besteht kein Grund zur Panik. Wer eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Anlagestrategie hat, für den gibt es keinen guten Grund, diese aufgrund der aktuellen Entwicklungen anzupassen!  

 

Wie häufig treten Marktrückgänge auf? 

Betrachtet man die historischen Daten seit dem späten 19. Jahrhundert, so sind "Bärenmärkte", die Bezeichnung für Phasen mit Kursrückgängen von 20 Prozent oder mehr, regelmässig aufgetreten. Die im März 2026 beobachteten Korrekturen erreichen diese Schwelle nicht. Studien deuten darauf hin, dass über einen Zeitraum von 150 Jahren im Durchschnitt etwa einmal pro Jahrzehnt ein nennenswerter Bärenmarkt auftritt. Kurzfristigere Daten seit 1929 deuten auf eine höhere Häufigkeit hin, wobei solche Ereignisse etwa alle vier bis fünf Jahre auftreten. Zu diesen Zeiträumen zählen bekannte Episoden wie der Crash von 1929, der Inflationsschock der 1970er Jahre, der Dotcom-Crash, die Finanzkrise von 2008 und die Invasion der Ukraine im Jahr 2022.

Ausmass und Dauer von Marktrückgängen 

Was das Ausmass betrifft, so waren die typischen Kursrückgänge in Bärenmärkten zwar erheblich, aber nicht katastrophal. Aktuelle Daten zeigen einen durchschnittlichen Kursrückgang von etwa 30 bis 35 Prozent vom Höchst- zum Tiefststand. Zwar führten Extremfälle wie die Weltwirtschaftskrise zu weitaus stärkeren Verlusten, doch handelt es sich dabei um statistische Ausreisser. Moderatere Korrekturen von 10 bis 20 Prozent treten häufiger auf und klingen in der Regel schneller ab, oft innerhalb weniger Monate.

Die Dauer ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Historisch gesehen waren Bärenmärkte im Vergleich zu Bullenmärkten relativ kurz. Die durchschnittliche Dauer beträgt etwa 9 bis 12 Monate, wobei dies je nach dem zugrunde liegenden wirtschaftlichen Schock variiert. Noch wichtiger ist, dass die Erholungsphase – definiert als die Zeit, die benötigt wird, um die vorherigen Höchststände wieder zu erreichen – in der Regel zwischen 2 und 3,5 Jahren gedauert hat. Einige Erholungen verliefen deutlich schneller, wie beispielsweise nach 1987 oder während der COVID-19-Pandemie, während andere, wie nach der Dotcom-Blase, erheblich länger dauerten.

Was uns die Geschichte über das Verhalten von Anlegern verrät

Was aus dieser langfristigen Perspektive auffällt, ist nicht die Schwere oder Häufigkeit von Kursrückgängen, sondern die Beständigkeit der Erholungen. Selbst nach den stärksten Einbrüchen haben die Märkte letztendlich neue Höchststände erreicht. Dies spiegelt die zugrunde liegenden Triebkräfte der Aktienmärkte wider, darunter Wirtschaftswachstum, Innovation, Bevölkerungswachstum und Produktivitätssteigerungen. Zwar können kurzfristige Schocks die Bewertungen beeinflussen, doch verändern sie diese langfristigen Fundamentaldaten selten nachhaltig.

Für Anleger hat dies vor allem verhaltensbezogene und weniger analytische Konsequenzen. Verkäufe in Stressphasen führen oft zu realisierten Verlusten und dem Risiko, nachfolgende Erholungen zu verpassen, die sowohl schnell als auch unvorhersehbar sein können. Historische Daten zeigen, dass einige der stärksten Marktgewinne kurz nach den stärksten Einbrüchen auftreten, was das Market-Timing extrem schwierig macht.

Aus der Sicht von einem Wealth Office

Aus Sicht eines Wealth Offices liegt der Fokus nicht auf kurzfristigen Marktbewegungen, sondern darauf, ob die Vermögensaufteilung weiterhin mit den Zielen und dem Risikoprofil des Anlegers im Einklang steht. Eine klare Anlagestrategie (Plan.), die Auswahl geeigneter Vermögensverwalter (Find.) und die laufende Überprüfung von Ergebnissen und Kosten (Control.) bilden die Grundlage für die Beurteilung von Marktphasen wie der aktuellen.

Fazit

Marktabschwünge sind ein fester Bestandteil des Investierens und keine Ausnahme. Auf lange Sicht waren sie häufig, manchmal heftig, aber letztlich nur vorübergehend. Die Fakten sprechen durchweg für einen langfristigen Ansatz. Anleger, die geduldig, breit gestreut und diszipliniert bleiben, profitieren eher vom strukturellen Wachstum des Marktes als diejenigen, die auf kurzfristige Schwankungen reagieren.

Überprüfen Sie Ihr Portfolio

Marktphasen wie diese bieten die Gelegenheit zu prüfen, ob Ihr Portfolio noch mit Ihren Zielen übereinstimmt. Nutzen Sie unsere Tools, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen: